Gebärende, Kinder und Gesellschaft

Auf Basis von Nela Nequins Weltenbau-Beiträgen analysiere ich nach und nach die Welt von Mapmaker Malique. Ich gebe mein Bestes, die Spoiler möglichst gering zu halten.

In meinem ersten Worldbuilding-Beitrag geht es um das Thema: Gebärende, Kinder und Gesellschaft!

Über das Sozialsystem der ISSO, Gleichberechtigung und Gender

Auch in meinem Universum gibt es Gender, wobei diese insbesondere bei (Halb-)Humanoiden Verwendung finden. Andere Spezies, darunter auch sämtliche zweidimensionale Wesen, haben keine derartige Eingruppierung.

Um den Rahmen nicht zu sprengen, werde ich hier nur auf einige Lebensformen eingehen, die bis Band 2 vorkommen.

Da auf der Erde Männer als Standard hergenommen werden, muss sich Malique anfangs daran gewöhnen, dass in der Interstellar Space Organisation (ISSO) die Dinge etwas anders laufen: Die Organisation hat als Hauptziel für Frieden zu sorgen, daher haben – für ihn eher als weiblich angesehene – Themen wie Fürsorge und Gemeinwohl einen höheren Stellenwert als beispielsweise Profit.
Natürlich gibt es auch schwarze Schafe, die diese Gutmütigkeit für ihr eigenes Wohl ausnutzen. Diese Lebewesen werden von der Gemeinschaft jedoch geächtet. Gleiches gilt für Kriminelle, die bereits bei der zweiten Straftat mit empfindlichen Strafen zu rechnen haben.

Die Lebenshaltungskosten trägt die ISSO vollständig, sie verlangt keine Miete und es gibt kostenlose Lebensmittel. Selbst Verhütungsmittel werden von der ISSO gestellt. Nur das, was darüber hinaus geht, müssen die Mitglieder selbst finanzieren.
Dafür bekommt jedes Mitglied ein Gehalt, das sich an dem Wohl für die Gemeinschaft, der Schwierigkeit der Tätigkeit, sowie dem Rang orientiert. So erhalten Snak (Heiler) und Kryokrishna (Verteidigerin) ein höheres Grundgehalt als die restlichen Teammitglieder. Rekruten, die noch keinem Team zugeordnet sind und innerhalb der Organisation eher unterstützenden Tätigkeiten, wie beispielsweise Mentoring und Verwaltungstätigkeiten, nachgehen, erhalten ebenfalls ein Grundgehalt.
Geschlechterunterschiede gibt es dabei nicht. Selbst zweidimensionale Wesen erhalten dieses Gehalt, selbst wenn sie aufgrund der physischen Gegebenheiten wenig bis nichts damit anfangen können.

Ob ein Lebewesen einen Uterus oder einen Penis besitzt, ist nur für manche medizinische Aspekte relevant und wird daher nur in Krankenakten erfasst.

Hochzeit

Verheiratete genießen keine Vorteile innerhalb der ISSO. Hochzeiten werden lediglich in der Personalakte notiert, der Rest ist »Privatvergnügen«. Ob Ehepartner derselben Spezies angehören, ist dabei unerheblich.

Monogamie ist der Standard, wobei es auch Spezies gibt, die zur Fortpflanzung mehr als zwei Beteiligte brauchen. Hier sind auf Antrag mehrere Ehepartner möglich.

Die Gesetze der ISSO lassen offiziell nur Liebesheiraten zu, was aber gerade auf abgelegeneren Planeten häufig nicht der Fall ist. Dort wird oft auch aus politischem Interesse geheiratet. Aufgrund des bürokratischen Aufwands wird dies aber selten kontrolliert. Ein Eingreifen ist daher unwahrscheinlich, solange den hochrangigen Beamten der ISSO keine grobe Verletzung der Richtlinien auffällt.

Uneheliche Kinder haben keine Nachteile zu erwarten.

Ähnlich unkompliziert verläuft es bei einer Scheidung. Bei dieser wird lediglich der entsprechende Eintrag in der Personalakte gestrichen.

Fortpflanzung

(CN Periode)

Den wenigsten Humanoiden mit Uterus bleibt die monatliche Periode erspart. Sie erhalten diese Tage auf Wunsch frei, wobei dies in einigen Situationen schlichtweg nicht möglich ist. So könnte Eunuvea sich während einer Mission nicht ohne Weiteres zurückziehen. Aufgrund des medizinischen Fortschritts gibt es jedoch genügend Möglichkeiten, um Symptome zu unterdrücken. Schmerzen bleiben den Betroffenen dann zwar erspart, leichte Erschöpfung verspüren sie oft dennoch. Selten kommt es bei Magiebegabten zu temporärem Verlust ihrer Begabung.
Höherentwickelte Humanoide haben von der Evolution die Fähigkeit erhalten, die Eizellenproduktion und den Schleimhautaufbau erst bei einer gewünschten Schwangerschaft bewusst in Gang zu setzen. So spart der Körper Energie, die er für anderes nutzen kann.

Schwangerschaft

Die Anzahl der Kinder wird weder vorgegeben noch reguliert. Nachkommen von ISSO-Mitgliedern sind jedoch nicht automatisch selbst Mitglied – sie müssen wie alle anderen gewisse Voraussetzungen erfüllen, um im Erwachsenenalter selbst beizutreten.

Während der Schwangerschaft ist die werdende »Mutter« vom Dienst freigestellt, ebenso einige Wochen danach. Auf eigenen Wunsch darf unbedenklichen Tätigkeiten nachgegangen werden. Das Wort Mutter hebe ich aus dem Grund hervor, da es Spezies gibt, bei denen die Männchen die Verantwortung für den Nachwuchs übernehmen.
So zum Beispiel die Pirokrit, bei denen Weibchen nur die Eier zur Verfügung stellen und sich dann nicht weiter um den Nachwuchs kümmern.
Ein weiterer Sonderfall sind die Iknesier. Bei ihnen können (nicht müssen!) sich durch Zellteilung Wucherungen bilden, die zu Nachwuchs heranwachsen können. Dies geschieht geschlechtsunabhängig.
Gerüchten nach zufolge gibt es eine weitere Form der Reproduktion, die aufgrund des seltenen Auftretens kaum erforscht ist: das Erwachen des Schattens als eigenständige Person.

Für Lebewesen, denen auf natürlichem Wege keine Schwangerschaft möglich ist, sei es aufgrund physischer Gegebenheiten, als auch aufgrund der Partnerwahl, wird künstliche Befruchtung ermöglicht. Dies wird nur ab einem bestimmten Alter (je nach Spezies) und bei seltenen unheilbaren Krankheiten abgelehnt. Die Adoption von elternlosen Kindern steht sämtlichen Mitgliedern jederzeit offen.

Kinderbetreuung

Mitglieder der ISSO genießen die Möglichkeit zu entscheiden, ob sie ihre Kinder selbst aufziehen oder es in eine professionelle Betreuung geben möchten. Dies gilt sowohl für Mütter als auch für Väter. Je nach Spezies gibt es für dieses Privileg unterschiedliche Altersbegrenzungen, die sich nach dem Erwachsenenalter richten. Für Humanoide ist dies der Beginn des 16. Lebensjahres, bei Sebaita bereits das 10. Lebensjahr.

Bei Lebewesen, die mehrfach Kinder mit unterschiedlichen Partnern bekommen haben und sich nicht an deren Erziehung beteiligt haben, kann ein Teil des Gehalts einbehalten werden, das dann wieder dem Sozialsystem zugutekommt, aus dem die Kinderbetreuung finanziert wird.

Mitgliedsplaneten haben jeweils ihre eigenen gesellschaftlichen Besonderheiten, wobei der Mitgliedsvertrag besagt, dass die Richtlinien der ISSO innerhalb von zwei ISSO-Jahren (ca. 3,5 Erdenjahre) umgesetzt werden müssen.

Abtreibung

(TW Abtreibung, Vergewaltigung)

Abtreibungen, die aufgrund gesundheitlicher Aspekte durchgeführt werden, sind gesellschaftlich akzeptiert. Ebenso solche, die nach einer Vergewaltigung stattfinden.

Solche, bei denen mangelnde Verhütung zur Schwangerschaft führten, sind dagegen verpönt, werden aber dennoch durchgeführt.

Sonderfall Ocri

Im Laufe der Geschichte der Ocri bildete sich – durch eine Umweltkatastrophe – ein Gendefekt, der weibliche Exemplare dieser Spezies aussterben ließ und die Lebensdauer der männlichen Ocri stark einschränkt. Um das weitere Überleben langfristig sicherzustellen, werden Partner anhand ihres Gencodes ausgewählt. Diese umgehen den Defekt, indem sie ihre Stoffwechsel miteinander verbinden, genannt »Salandrai«. Auch wenn die Städte der Ocri zunächst nicht den Eindruck erwecken, so sind sie doch technologisch weit entwickelt. Die erste Generation, die diese Katastrophe überlebte, war aufgrund ihrer langen Lebensdauer in der Lage, ihr Fortbestehen durch Klonen zu sichern. Bei jüngeren Ocri ist das Wissen über natürliche Fortpflanzung verloren gegangen – ihnen ist sogar der Anblick weiblicher Lebewesen unbekannt, sofern sie sich nicht mit entsprechender Lektüre beschäftigt haben.

Je nach Stamm gibt es verschiedene Regeln fürs Kinderkriegen: Bei einem ist das Bevölkerungswachstum durch die Anzahl der Kinder, bei anderen durch ein Höchstalter beschränkt. Die Elternpaare sind dabei fest vorgegeben: Sie entsprechen den Salandrai-Partnern. Das Klonen übernimmt meist der Hohepriester des Stammes, der dieses Wissen an seinen Nachkommen weitergibt.

Die Kinderbetreuung ist von Beginn an Sache der Gemeinschaft, sodass auch Waisenkinder automatisch versorgt werden.

Zum Abschluss möchte ich noch einmal genauer auf einige »Reizfragen« eingehen, die in Nelas Worldbuilding-Beitrag gestellt wurden:

Wer gilt in der Welt als Lebensgeber?

Innerhalb der ISSO: beide Elternteile gleichermaßen.
Mitgliedsplaneten der ISSO: unterschiedlich.
Im Falle der Ocri: der Hohepriester, sowie beide Väter.

Gibt es irgendwelche Verbindungen zwischen Geschlechtsorganen und magischen Fähigkeiten?

Nein, gibt es nicht.

Wie beeinflusst die Fähigkeit, Kinder gebären zu können, die gesellschaftliche Stellung?

Kinder gebären zu können hat keinen Einfluss auf die gesellschaftliche Stellung.

Inwieweit können Technologie/Magie Schwangerschaften zu beeinflussen? (TW Tod)

Die Form der Magie ist ausschlaggebend, ob sie positiven oder negativen Einfluss auf eine Schwangerschaft haben. Dunkle Magie können der schwangeren Person und/oder dem Kind schaden, Heilmagie dagegen Symptome lindern und die Gesundheit fördern. Mit Lebensmagie könnte ein Kind, das im Mutterleib verstirbt, wiederbelebt werden, was aber gegen die ethischen Grundsätze der ISSO verstößt.

Inwieweit können Technologie/Magie Schwangerschaften ermöglichen?

Technologien können bei der Befruchtung unterstützen, aber es gibt in meiner Welt keine Magie, die dies könnte.

Inwieweit gibt es Respekt für die Schmerzen, die eine Gebärende bei einer Geburt erträgt?

Unter den lebendgebärenden Spezies ist ein gewisser Respekt vorhanden. Andere Spezies, wie beispielsweise solche, die Eier legen und diese Schmerzen somit nicht erleiden, nehmen diese eher zur Kenntnis und kommentieren sie nicht weiter.

Wie wird die Periode und damit einhergehende Schmerzen betrachtet? (CN Periode)

Ob über die Periode geredet wird, hängt vom einzelnen Individuum ab.

Eine Geburt läuft schief. Was gilt als üblicher: Die Mutter oder das Kind zu retten? Warum?

Mitglieder der ISSO haben immer Vorrang. Da die Kinder zum Zeitpunkt ihrer Geburt keine Mitglieder sind, würde alles darangesetzt werden, die Mutter zu retten. Dies ist auch der Fall, wenn die Mutter dies explizit nicht wünscht, was dann häufig den Austritt dieser aus der Organisation zufolge hat.

Habt ihr Fragen oder Anmerkungen? Lasst es mich gerne wissen! Ich freue mich über Feedback!?

Image by Thomas Budach from Pixabay

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