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Adventszeit 6

»Damit hätten mir alle ihr Geschenk vorbeigebracht. Sehr schön«, stellte Windomir für sich selbst fest und betrachtete den kleinen Stapel, der sich vor einer projizierten Tanne befand.

»Wo bleibst du denn? Wir haben schon alles aufgebaut!«

Windomir schmunzelte, als er die Ungeduld in Eunuveas Stimme hörte.

›Da hat wohl eine mal wieder Hunger.‹

»Ich bin sofort da!«

Noch einmal rückte Windomir ein Paket zurecht, dann stand er auf und ging zum großen Konferenztisch. Im Vorfeld hatten sie sich darauf geeinigt, ausnahmsweise nicht in der Küche zu Essen, da der Tresen schlichtweg keinen Platz für die Vielzahl der Gerichte bot. Windomirs Augen weiteten sich fasziniert, als Malique einen weiteren Teller auf die prall gefüllte Festtafel stellte.

»Was ist das denn alles? Wer soll das alles essen?«

Malique lachte, zuckte dann mit den Schultern: »Das weiß ich auch noch nicht. Ich hab einfach mal alles beim Essensgenerierungsautomaten in Auftrag gegeben, was mir als Teil eines Festessens einfiel«.

»Solange wir nicht zu viel wegwerfen müssen ...«, murmelte Windomir, doch Malique schüttelte euphorisch den Kopf: »Laut der Bedienungsanleitung des Automaten wird das Weggeworfene von der Abfallanlage wieder in seine einzelnen Moleküle zerlegt und so aufbereitet, dass es einfach für die nächste Mahlzeit mitverwendet wird. Es ist also so gesehen nichts verloren!«

Fassungslos sah Windomir Malique an, denn in diesem Fall fiel ihm tatsächlich nichts ein, was dagegensprach. Kryokrishna, die das Gespräch mitbekommen hatte, ging zu Malique und legte ihm eine Hand auf die Schulter, während sie zu Windomir gewandt sagte: »Dieser Kerl hier hat wirklich eine Bedienungsanleitung gelesen, stell dir das mal vor!«.

Malique streckte Kryokrishna die Zunge heraus, was sowohl sie, als auch Windomir, zum Lachen brachte.

»Vorsicht! Hier kommt noch eine Ladung!«, mit einem breiten Grinsen auf dem Gesicht und einen Teller in den Händen quetschte sich Eunuvea an ihnen vorbei.

Malique begutachtete, was Eunuvea da anschleppte und blinzelte verwirrt.

»Ein Lebkuchenhaus? Wie kamst du denn auf diese Idee?«

»Hypernet! Das sah so lecker aus und da du uns das vorenthalten wolltest ... «, antwortete sie, stand dann vor dem Tisch und suchte verzweifelt nach einem Platz für die Leckerei.

»Ich wollte euch nichts vorenthalten. Mehr passt da einfach nur nicht drauf«, seufzte Malique und schüttelte den Kopf, ging zu Eunuvea und nahm ihr den Teller ab, »Ich hol das nachher, wenn der Tisch etwas leerer geworden ist, okay?«.

»Okay ...«, murmelte Eunuvea und sah dabei zu, wie Malique das Lebkuchenhaus wieder zurück in die Küche trug.

»Dann lasst uns mal anfangen! Geschenke gibt's erst nach dem Essen!«, rief Windomir.

Nun gesellten sich auch Kriru und Snak wieder zu der Gruppe, die zuvor zwar beim Aufbau helfen wollten, doch immer das Gefühl hatten, im Weg zu stehen. Daher hatten sie beschlossen, sich lieber zurückzuziehen. Während Kriru diese Zeit im Trainingsraum verbrachte, genoss Snak auf dem Bett liegend die Ruhe in ihrem gemeinsamen Zimmer.

Malique saß bereits am Besprechungstisch, packte sich die ersten Happen auf den Teller.

»Voll ungewohnt hier zu essen. Das machen wir aber nur ausnahmsweise, dafür ist der Tisch eigentlich nicht gedacht.«

»Malique macht bei einer Zweckentfremdung mit!«, stellte Windomir schockiert fest und das restliche Team setzten gespielte, fassungslose Mienen auf, bevor sie loslachten.

»Ja, ja, ja«, lachte nun auch Malique, der feststellte, dass er so etwas tatsächlich nur selten tat.

›Gegen so viele Dickköpfe wäre ich eh nicht angekommen, wenn ich mich dagegen ausgesprochen hätte.‹

So begann das Festmahl, bei dem Eunuvea wieder einmal zeigte, wie viel sie in sich stopfen konnte. Insbesondere die gefüllte Gans hatte es ihr angetan, die Malique nicht einmal in Erwägung zog. Zwar wusste er, dass für dieses Gericht kein Tier sterben musste, da es nur eine Nachbildung des Essensgenerierungsautomaten war, doch trotzdem ließ er die Finger davon.

»Wieso magst du das denn nicht?«, fragte Eunuvea, die ihm erneut ein Stück der Gans anbot, aber wieder eine Ablehnung erhielt.

»Ich bin Vegetarier. Ich esse kein Fleisch.«

»Ist doch lecker ...«, murmelte die Magierin und sah auf ihren Teller.

»Du kannst es ja auch essen, mir schmeckt es einfach nicht«, Malique lud sich stattdessen eine große Portion Kartoffelsalat mit Apfelstückchen auf den Teller.

Kritisch begutachtete Eunuvea, was Malique als Alternative wählte und nahm sich dann ebenfalls etwas davon. Sie nahm einen Göffel voll in den Mund und kaute darauf herum. Ihr Gesicht verzog sich und sie legte das Besteck angeekelt zur Seite.

»Was schaust du denn so angewidert?«, wunderte sich Malique, der diesen Gesichtsausdruck noch nie bei ihr gesehen hatte – wie alle anderen ebenfalls nicht.

Sie fuhr mit den Zacken des Göffels durch den Kartoffelsalat, suchte eines der kleinen Stückchen heraus und probierte noch einmal davon. Ihr lief ein Schauer über den Rücken und sie schob den Teller von sich weg.

»Sollten wir etwas gefunden haben, was Eunuvea nicht schmeckt?«, grinste Kriru, lud sich selbst einen kleinen Klecks des Salats auf den Teller und probierte davon, »Das ist doch richtig lecker!«.

Kurzerhand klaute sich Snak einen Göffel voll von Krirus Teller und zog dann wortlos die Schüssel zu sich, um einen Nachschlag zu nehmen. Nun trauten sich auch Kryokrishna und Windomir an das unbekannte Essen. Nach einigen Happen begann Kryokrishna die Apfelstückchen vom Kartoffelsalat zu trennen.

»Auch nicht so deins?«, freute sich Eunuvea, doch Kryokrishna musste sie enttäuschen.

»Doch, ist schon lecker. Aber getrennt voneinander schmecken mir die beiden Zutaten einfach besser. Was ist das überhaupt?«, fragend sah Kryokrishna zu Malique, der zuerst auf die gelben Scheiben und anschließend auf die weiß-gelblichen Würfel deutete.

»Das hier sind Kartoffeln und das ist Apfel.«

»Aha«, im Nachhinein kam Kryokrishna die Frage unnötig vor, da sie mit den Begriffen eh nichts anfangen konnte. Doch sie musste zugeben, dass Äpfel ihr sehr schmeckten, und nahm sich vor, diese zur gegebenen Zeit als Snack zwischendurch zu probieren.

So vergingen zwei Stunden, in denen die Gruppe von den verschiedensten Gerichten probierte und sich gegenseitig Empfehlungen aussprach. Zwischendurch machten sie Pausen, wenn das Sättigungsgefühl überhandnahm, und warteten darauf, dass ihr Körper ihnen signalisierte: Okay, jetzt geht wieder ein Happen rein.

»Ich kann nicht mehr, jetzt reicht es ... «, brabbelte Malique schließlich und rappelte sich auf, um in die Küche zu gehen. Ein verräterisches Piepsen war von dort zu hören, was Windomir stutzig machte. Daher rief er in Richtung Küche: »Ich dachte, du kannst nicht mehr?«.

Malique antwortete nicht, kam dann aber mit einer Schüssel in der Hand wieder, setzte sich auf seinen Platz und löffelte von dem Eis, das er sich hatte generieren lassen.

»Spekulatiuseis geht immer. Wollt ihr auch? Hab die vegane Variante gewählt, weil ihr ja keine Milch vertragt.«

Malique hielt die Schüssel Kryokrishna entgegen, die davon probierte und sie anschließend an Eunuvea weiterreichte.

»Schmeckt ganz gut!«

»Ganz gut? Das ist voll lecker!«, Eunuvea schaufelte sich zwei weitere Göffel voll in den Mund und grummelte enttäuscht, als Windomir ihr die Schüssel aus der Hand nahm.

»Mir ist das zu süß«, gestand er und reichte das Eis an die beiden Ocri weiter, die den Nachtisch ebenfalls testeten.

Schmunzelnd sah Kriru zu Snak, der wie Eunuvea gleich einen Nachschlag nahm.

»Wirklich lecker!«, grinste Snak, gab dann Malique schweren Herzens die Schüssel zurück, in der sich noch einige Löffel für ihn befanden.

Nachdem Malique diese gegessen hatte, sah er in die Runde, fragte schließlich an Windomir gerichtet: »Jetzt Bescherung?«.

Als Windomir nickte, sprang Eunuvea sofort auf und raste in Richtung des Gemeinschaftsraumes, in dem sie die Geschenke verteilen wollten. Die anderen blieben jedoch noch einen Moment sitzen, um sich vom Festessen zu erholen.

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