Spaß mit Schnee

»Nein, ich werde keinen Schnee-Pongo bauen!«, grummelte Malique und verschränkte die Arme, um das Gesagte zu unterstreichen. Als er jedoch sah, wie Pongos Augen sich rot färbten, verschwand jegliche Körperspannung und er ging ängstlich einen Schritt zurück. Hilfesuchend sah Malique zu Kryokrishna, die jedoch auch nicht den Anschein machte, als hätte sie sonderlich viel Mitleid mit ihm – im Gegenteil.

»Ich weiß wirklich nicht, was dein Problem ist. Er tut dir doch nichts.«

Malique rollte mit den Augen, denn er wusste, dass er jeden Kampf gegen Pongo verlieren würde.

»Also gut. Aber nur wenn ihr auch mithelft!«

»Na klar, macht doch sicher Spaß!«, lachte Eunuvea, doch Kryokrishnas Begeisterung hielt sich sichtlich in Grenzen.

»Wenn es sein muss.«

»Bei deinem Namen könnte man meinen, dass du nichts gegen Kälte hättest«, grinste Malique, der einen fragenden Blick als Antwort erhielt, bis Kryokrishna schließlich doch verstand.

»Kälte ist nicht das Problem, ich seh nur keinen Sinn darin!«

»Dann sieh das Rollen des Schnees halt als Fitnessübung«, brabbelte Eunuvea, die kein Verständnis dafür hatte, dass sich Kryokrishna nun offensichtlich vor etwas Spaß drücken wollte.

»Ja, gut.«, seufzte die Verteidigerin, die noch einmal demonstrativ mit den Augen rollte und ihre Arme verschränkte, »Bevor du keine Ruhe gibst!«.

»Juhu!«, grinste Eunuvea, die in ihr Zimmer verschwand, um sich ihr Winteroutfit anzuziehen, das sie sich, nach ihrem letzten Ausflug in den Schnee, – wie alle anderen Teammitglieder auch – in der Einkaufsmeile der ISSO gekauft hatte. Als sie wieder nach draußen trat, warteten Malique und Kryokrishna bereits auf sie. Beide trugen dicke Stiefel und Wintermäntel. Eunuvea schmunzelte: »Geht ja fast als Pärchen-Look durch!«.

»Fang nicht schon wieder damit an!«, ermahnte Kryokrishna sie, was sie mit einem bösen Blick unterstrich, der Eunuvea aber herzlich wenig interessierte.

»Ja, ja.«

Malique wickelte seinen Schal etwas auf, nur um mit ihm Nase und Mund zu verdecken, damit man seinen geröteten Wangen nicht sah – was allerdings aufgrund seines auffälligen Verhaltens nach hinten losging.

»Ob die anderen wohl auch mitkommen möchten?«, wunderte sich Eunuvea, doch beantwortete sich ihre Frage direkt danach selbst, »Letztes Mal hatten sie den Eindruck gemacht, als sei ihnen Schnee sehr suspekt. Daher vermute ich, dass sie eh ablehnen«.

»Moment, die haben eine Wahl?«, grummelte Malique, folgte den beiden Frauen und Pongo aber dann doch durch die geöffnete Ladeluke nach draußen.

»Wir brauchen einen starken Mann, der uns hilft!«

Kryokrishna verzog ihren Mund zu einem fiesen Grinsen, verkniff sich einen Kommentar. Doch da Malique denselben Gedanken hatte, begann Kryokrishna kurz darauf zu lachen: »Starker Mann? Jeder von euch ist stärker als ich!«.

Auch wenn Malique dies selbst festgestellt und geäußert hatte, so war er doch wütend, dass Kryokrishna sich über ihn lustig machte. Kurzerhand nahm er einen Schneeball, den er ihr ins Gesicht warf. Sie wischte sich den Schnee von den Wangen und verengte ihre Augen zu Schlitzen.

›Oh, oh!‹, Malique rannte zum nächstgelegenen großen Stein und versteckte sich hinter diesem, was Kryokrishna jedoch nicht abhielt. Sie beschwor ihr Großschwert Nemesis, ließ es dann seine Schildform annehmen und schaufelte den umliegenden Schnee zu einem großen Haufen zusammen.

Eunuvea sah zu Pongo, der das Geschehen kritisch begutachtete. Sie beugte sich zu ihm hinunter und pikste ihm in die Seite.

»Dann müssen wir wohl doch allein einen Schnee-Pongo bauen, die sind beschäftigt.«

Pongo gab ein enttäuschtes Fiepen von sich und drehte sich zu Eunuvea, die eine kleine Schneekugel formte und diese als Grundform für den Körper nutzte. Anschließend bildete sie vier Arme und zum Abschluss bildete sie eine Spitze auf dem Kopf des dreidimensionalen Schnee-Pongos. Das kleine Alien blinzelte und streckte zwei seiner Ärmchen nach oben, quietschte glücklich und hüpfte dann nach oben.

»Das ist nur der Prototyp, jetzt machen wir ein größeres Ebenbild von dir, ja?«

Eunuvea vernahm ein weiteres Gequietsche, das jedoch nicht von Pongo, sondern aus der entgegengesetzten Richtung kam. Sie sah hinüber zu der Stelle, an der Malique sich bis gerade eben in Sicherheit dachte. Inzwischen hatte Kryokrishna mehrere Schneeladungen über den Stein hinweg auf ihn geworfen. Kaum rappelte sich Malique ein wenig auf, traf ihn bereits die nächste Fuhre. Maliques Fluchen beantwortete Kryokrishna nur mit einem dreckigen Lachen.

»Immer das Gleiche mit den beiden«, schmunzelte Eunuvea, die sich aus der Zankerei heraushielt und fröhlich summend einen Schnee-Pongo baute, der sie knapp überragte. Zufrieden begutachtete sie ihr Werk, streichelte Pongo, der ihr zwischenzeitlich auf die Schulter geklettert war und sich nun an sie kuschelte. Er fiepte zufrieden.

»Das haben wir doch toll gemacht, nicht? Jetzt lass uns aber rein gehen, mir wird langsam kalt.«

Pongo legte zwei seiner Ärmchen auf Eunuveas Schulter – ein vergeblicher Versuch, sie zu wärmen. Sie gingen hinein und ignorierten das Mosern Maliques, während er darauf wartete, dass Kryokrishna sich erbarmte und ihn aus dem Schneehaufen befreite.

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