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Nikolausstiefel

Auf Zehenspitzen schlich Malique zu Windomirs Stiefel, die dieser – als einziger in der Mannschaft – jeden Abend vor die Zimmertür stellte. In einer Hand hielt Malique eine Tasche voller Süßigkeiten vom Heimatplaneten des Sebaita, die er in der Einkaufspassage der ISSO, – nach einer gefühlten Ewigkeit – gefunden und gekauft hatte. Da der Essensgenerierungsautomat keine Verpackungen erzeugte, sondern nur die Lebensmittel an sich, war er nicht drum herumgekommen, sich durch die Masse an Kaufwütigen zu quetschen. Nun hoffte er, dass sein Kauf auch dem Geschmack seines besten Kumpels entsprach.

Schnell ließ Malique eine Hand voller Süßigkeiten in einen Stiefel fallen, wiederholte dies so oft, bis der obere Rand des Schafts erreicht war.

›Der hat viel zu große Füße. Das reicht ja nur für einen Stiefel!‹, grummelte Malique innerlich, legte den restlichen Süßkram einfach daneben, ›Mal sehen, was er dazu sagt!‹

~*~

Als Windomir am nächsten Morgen aus seinem Zimmer griff, um die Stiefel zu packen, starrte er fassungslos auf die Überraschung. Seine Teamkollegen, die Malique eingeweiht hatte, saßen am Besprechungstisch und beobachteten den verwirrten Hünen.

»Was soll das denn?«

Maliques breites Grinsen verriet sofort, wer der Drahtzieher der Aktion war: »Nikolausstiefel! Die gibt's bei uns am 06. Dezember!«

»Und was soll das sein?«

»Ist doch jetzt egal, Gratis-Süßkram!«, grummelte Eunuvea, die neidisch auf den prall gefüllten Stiefel sah, in der Hoffnung, dass Windomir ihr etwas davon abgeben würde.

»Ich glaube nicht, dass du das noch essen möchtest, Euni.«

Mit dieser Aussage erntete Windomir verwirrte Blicke, insbesondere Malique wartete gespannt auf eine Begründung. Doch anstatt mit der Sprache herauszurücken, druckste Windomir herum, bis ihn Kryokrishna zum Reden aufforderte. Schließlich gab er nach.

»Vermutlich könnt ihr es nicht riechen, aber die Füße von Sebaita stinken unglaublich ... daher pack ich die Stiefel auch immer vor die Tür. Selbst wenn ich möchte – die Süßigkeiten haben den Gestank vermutlich schon so angenommen, dass ich davon nichts runterkriegen werde.«

Frustriert vergrub Malique das Gesicht in seinen Händen.

»Ich geh bei Gelegenheit neues Zeug kaufen. Das pack ich dann auf jeden Fall nicht mehr da rein.«

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