Adventszeit 1

Malique saß im Aufenthaltsraum, betrachtete nachdenklich, wie die Sterne an dem Fenster vorbeizogen.

›Bald ist Weihnachten. Die Sterne erinnern mich an das Schneegestöber zuhause.‹

Er schmunzelte, als ihm bewusst wurde, dass er gerade Heimweh entwickelte. Damit hatte er nach all der Zeit gar nicht mehr gerechnet – zumal er auch keine Sehnsucht nach seiner Familie, sondern nach der Adventszeit an sich verspürte.

Gedanklich zählte er auf, was genau er vermisste: Die bunten Lichterketten, die Glanz in die sonst so triste und kalte Landschaft brachten, der Duft von Plätzchen, Lebkuchen und Punsch, der seiner Meinung nach die Atmosphäre von Weihnachtsmärkten zu einer ganz besonderen machte, sowie der Schnee, sofern sich dieser aufgrund der globalen Erwärmung überhaupt gezeigt hatte. Ganz besonders angetan war er aber von gebrannten Mandeln, auf die er spontan Appetit bekam. Ein Lächeln schlich sich auf seine Lippen, als er an die ganzen Süßigkeiten dachte, die er jedes Jahr verputzte. Während er die meiste Zeit des Jahres kaum naschte, so glich er dies in der Adventszeit meist problemlos aus.

Da seine Lust auf gebrannte Mandeln immer noch vorhanden war, stand er auf und ging in die Küche, wo sich seine Teamkollegen lustige Videos im Hypernet ansahen. Erfreut stellte er fest, dass der Essensgenerierungsautomat seinem Wunsch tatsächlich nachkommen konnte, also ließ er sich diesen mit einem Tastendruck erfüllen. Da Malique für gewöhnlich keine Snacks zu sich nahm und sie das gemeinsame Abendessen bereits hinter sich gebracht hatten, zog er mit seinem ungewöhnlichen Verhalten sofort sämtliche Aufmerksamkeit auf sich. Gespannt beobachteten die anderen ihn dabei, wie er ungeduldig sein Gewicht von einem Bein auf das andere verlagerte und sehnsüchtig das Fenster des Automaten fixierte.

»Was machst du da?«, fragte Eunuvea schließlich, die bereits ahnte, dass eine neue Leckerei nur darauf wartete, von ihr begutachtet zu werden.

»Gebrannte Mandeln!«

»Krieg ich auch welche?«

Malique lachte, als Eunuvea mit der Nase fast gegen die Scheibe des Automaten stieß.

»Na klar!«

Er drehte sich zu den anderen Teammitgliedern um, die ebenfalls nicht abgeneigt schienen.

»Ihr könnt auch was davon haben!«

Grinsend riss Kriru die Arme in die Höhe, fügte aber noch mit einem leicht skeptischen Unterton hinzu: »Sofern uns Eunuvea etwas übrig lässt!«.

Die Magierin drehte sich um und streckte ihm die Zunge raus, doch bestätigte sich Krirus Vermutung direkt im Anschluss, als der Essensgenerierungsautomat ein Piepsen von sich gab und damit die Fertigstellung verkündete, Eunuvea sofort eine Mandel in die Hand nahm und sich in den Mund warf.

»Wie lecker!«, strahlte sie, während sie sich eine zweite Mandel vom Teller nahm.

Geistesgegenwärtig nahm Malique seinen Wunschsnack aus dem Automaten und probierte selbst. Auch er begann zu lächeln: »Wie auf dem Weihnachtsmarkt!«.

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